Dezember 2025. Das letzte Seminar des Jahres. Zehn Führungskräfte sitzen in einem Raum – von Generation Z bis Babyboomer. Ab 30 möchte jede Person wieder etwas jünger wirken. Komisch, oder?
Die jüngste Teilnehmerin erzählt, wie sie in der neuen Leitungsrolle kämpfen musste, bis sie von den älteren Kolleg/innen akzeptiert wurde. Ein älterer Kollege kann nur schwer nachvollziehen, warum die jüngeren Teammitglieder selten bereit sind, Überstunden zu leisten.
Und schon sind wir mitten im Thema – was prägt uns eigentlich, ohne dass wir es merken?
Jede Generation trägt ihre Erfahrungen: Die einen haben die Einführung des Euro oder 9/11 präzise vor Augen, die anderen die Flüchtlingswelle um 2015 oder Corona. Meist sind es Krisen oder technische Errungenschaften, an denen wir die Besonderheiten jeder Generation festhalten. Die Älteren im Training erinnern sich an ihren ersten PC mit klobigen Disketten, für die Jüngeren ist das Smartphone nahezu an den Körper gewachsen.
Ganz klar: Was wir in der Jugend erleben, ist revolutionär und formt Werte, Erwartungen sowie den jeweiligen Kommunikationsstil. Doch diese Unterschiede sind nur eine Facette. Ebenso haben Herkunft, Religion, sexuelle oder politische Orientierung, persönlicher Stil und Lebenssituation einen gewissen Einfluss darauf, wie sich eine Person am Arbeitsplatz verhält.
Neben Gendern, Arbeitsmoral und Offenheit für Neues geht es auch um Fragen wie: Sind die Jüngeren häufiger krank?
Ja, was die Zahl der Krankmeldungen im Jahr angeht, nicht aber die gesamte Zahl an Krankheitstagen im Jahresverlauf.
Hier liegen laut Studie der Techniker Krankenkasse ältere Mitarbeiter/innen „vorne“, auch weil sie sich oftmals nicht rechtzeitig die Auszeit nehmen.
In unserer Diskussion wird schnell klar: Es geht nicht darum, Generationen in Schubladen zu stecken, sondern sich gegenseitig zu verstehen. Entscheidend ist psychologische Sicherheit – also das Gefühl, im Team sagen zu dürfen, was man denkt, ohne abgewertet oder wegen des Alters diskriminiert zu werden.
Deshalb lautet die zentrale Frage, die man als Führungskraft an jede Person immer mal wieder stellen sollte: „Was ist dir wichtig für unsere Arbeit – und fühlst du dich wirklich einbezogen?“
Die Übung des Tages: Jede Person schlüpft in die Rolle des Teammitglieds, das ihr am fernsten liegt – im Alter, in den Werten, im Verhalten.
Das sorgt für Lacher, aber auch für Aha-Momente: In simulierten Gesprächen zeigt sich:
Mit Humor, Empathie und echtem Interesse können wir Brücken schlagen und Lösungen ausarbeiten, die für alle akzeptabel sind.
Daraus kondensieren wir drei Führungsimpulse:
Verstehen statt bewerten – mit dieser Haltung wächst Vertrauen. Nahezu jede Person wird dadurch zugänglicher und eher bereit, Wissen zu teilen bzw. zu lernen
Neugier vor Annahmen – jede Generation bringt Stärken ein. Es gilt, diese sichtbar zu machen – im Handeln für das Team.
Selbstreflexion – prüfe regelmäßig deine eigenen Muster: wo habe ich Vorurteile gegenüber bestimmten Alters- oder Personengruppen und wie mache ich mich davon frei?